Die "gute" Präsentation

April 2018

Was bitte ist denn "gut"?

Es ist ein altes Dilemma, wenn man versucht, Kriterien zu definieren für eine „gute“ Präsentation. Da listet man in Präsentationstrainings, bei Speaker Slams und Pecha Kucha-Nächten wie bei einem Song Contest Kriterien auf, bewertet Aspekte der Stimme, Körpersprache, Rhetorik etc., vergibt Punkte und glaubt so die Qualität einer Rede objektiv beurteilen zu können.

Einfacher ist es zu sagen, was die schlimmsten Fehler einer Präsentation sind:

Fehler Nr. 1: Der Versuch, soviel Wissen wie möglich reinzustopfen.  Gerade im deutschsprachigen Raum, wo - frei nach Gregor Gysi - die Qualität, Zuhörer zu langweilen fast schon als Kompetenznachweis und Geniebeweis gilt, sind Unterhaltung und Information fast schon sich ausschließende Gegensätze. Lösung: Thema bzw. Kernbotschaft müssen relevant sein für Zuhörer. Darin besteht die Kunst eines Redners: dem Zuhörer klarzumachen, dass das Thema für ihn relevant ist! Wenn ich einen Vortrag halte zum Thema „Neue Praktiken des Kamasutras!“, habe ich wahrscheinlich die volle Aufmerksamkeit, da brauch ich mich nicht wirklich anstrengen. Wenn mein Thema allerdings heißt „Die neue Datenschutzverordnung und ihre Auswirkungen auf die Dokumentenarchivierung im Unternehmen“, muss ich das Thema erst einmal relevant machen, zB mit dem Untertitel: „Wie ich meine Kamasutra-Bilder sicher speichern kann“…

Fehler Nr. 2: Zu sehr auf Körpersprache, Stimme, Raumbewegungen etc. achten. Das kann passieren, wenn man anfängt, bewusst die eigene Präsentationstechnik verbessern zu wollen. Wie bei einem Führerscheinkurs: die Anfänger sind die Gefährlichsten! Ich habe aber auch einmal einen bekannten Redner erlebt, dessen Auftritt perfekt war….nach Lehrbuch! Energie auftanken, clear entrance, Ankommen, Blickkontakt, Lächeln und dann: „Herzlich willkommen!“ Damit war für mich der Vortrag gestorben, weil es einfach nur „aufgesetzt“ war, einfach kein Mensch, sondern eine perfekte Darbietung. Lösung: Sei „einzigartig!“ Und noch besser: „Sei einzigunartig!“ Kenne die Regeln und breche sie bewusst.

Fehler Nr. 3: Der Medien-Striptease - 15 Power-Point-Folien in 10 Minuten - haben Sie das auch schon mal erlebt? Hauptsache bunt und technisch beeindruckend. 

Was ist also eine gute Präsentation? Ganz einfach: Eine Präsentation ist dann gut, wenn sie den Zuhörern gefällt. Das war´s. Diese Definition ist der kleinste - empirische - Nenner. Wenn man hiervon ausgeht, muss man sich nur noch fragen, „was denn den Leuten (bzw. meinem Zielpublikum) gefällt“? Leuten gefällt das WAS und Leuten gefällt das WIE. Also der Inhalt kann faszinierend sein, oder aber es ist nicht so faszinierend, aber spannend als Geschichte rübergebracht. Den Leuten gefällt WAS du vorne auf der „Bühne“ tust und WIE du es tust. Noch ein paar Gedanken, was Menschen so mögen:

  • Menschen mögen Gefühle (Lachen, Weinen, Überraschung, Berührung…)
  • Menschen lieben „einen von uns“, „Gemeinsamkeiten“.
  • Menschen lieben es, unterhalten zu werden.
  • Menschen lieben Geschichten
  • Menschen mögen Erfolg
  • Menschen hassen es, überfordert oder unterfordert zu werden
  • Menschen lieben Pausen
  • Menschen lieben Interaktion, aber keine Bloßstellung
  • Menschen lieben Ecken und Kanten. Sie mögen nichts Aalglattes
  • Menschen lieben Menschen und mögen keine Konkurrenten.

 

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