Erlebnis-Räume

Mai 2016

Seminarräume gestalten

Aber kann man einen ganzen Artikel über den „Raum“ eines Trainings schreiben? Ja, man kann! Ich möchte hier nicht über U-Form sprechen oder PCs am Tisch, wie es manchmal bei Firmenschulungen vorkommt. Das ist trivial. Ich bin tiefer in mich gegangen und präsentiere dir meine effizientesten und kreativsten Ideen:

 

1.) Belebe den Raum!

Aus meiner Tätigkeit im Eventmanagement habe ich gelernt, dass man Menschen Erlebnisse vermitteln soll; und das macht man auf Events, indem man einen bekannten Raum verändert. So beamt man einen Adventskalender auf das Grazer Rathaus, bringt das Colosseum durch Beleuchtung zum Leben usw. Im Seminar erziele ich einen ähnlichen Effekt, indem ich den Raum „belebe“. Bereits beim Eintreten dient eine freundlich gestaltete FlipChart als Orientierung; so werden die Teilnehmer begrüßt und weiß sofort, dass man im richtigen Raum ist. Dass Musik - thematisch passend zum Thema - vor Seminarbeginn und in den Pausen läuft, erklärt sich von selbst. Auf die PinWand gehört das „big picture“, entweder eine Übersicht der Seminarinhalte mit Eckdaten (Zeiten, Mittagessen etc.) oder besser noch eine grafische Darstellung der wesentlichen Gedanken/ behandelten Tools/ Inhalte. Achte darauf, dass diese Gesamtübersicht ständig sichtbar ist. Am liebsten zeichne ich übrigens ein Rohgerüst (zB einen Baum mit Wachsfarben) und ergänze die behandelten Inhalte mit Moderationskärtchen. So „wächst“ eine die Wissens- und Erlebnislandkarte (um diese herum kann man zB die Erwartungsabfrage ebenfalls auf Kärtchen sammeln und auf diese Art man am Ende einfach kontrollieren, ob alle Wünsche/ Erwartungen behandelt worden sind). Ausgewählte FlipCharts gehören unbedingt an die Wände! Oft werden diese kunstvoll entworfen und dann einfach weggeblättert. Aus den Augen, aus dem Sinn! Auch visualisierte FlipCharts erhält der Raum im Laufe der Zeit eine einzigartige Persönlichkeit, die das Erlebnis im Training widerspiegelt. Letztlich kann man noch anregende Sinnsprüche auf A4-Zetteln aufhängen, die in der Pause gerne gelesen werden. 

Ein Büchertisch ist bei manchen Themen sinnvoll. Hier empfiehlt es sich, ein geschmackvolles Tischtuch mitzubringen. Im Nu wird so der nüchterne Seminartisch zu einer ansehnlichen Präsentationsfläche! Ein beliebter alter Trick ist auch das „Sesselrücken“: Wenn Sie ein Training ohne Tische haben, stellen Sie die Sessel recht förmlich distanziert auf - nach dem ersten Lachen im Seminar laden Sie die Gruppe ein, doch etwas näher zu kommen. Es entsteht ein nettes, kreatives Chaos, die Gruppe wächst bildlich zusammen!

2.) Sprenge den Raum.

Wer hat gesagt, dass ein Training nur innerhalb eines Raumes stattfinden soll? Nutzen Sie Gesprächsecken, Caféterias, Grünflächen, nahe gelegene Wälder etc.! Das geht auch mit einfachen Übungen, ohne Outdoor-Trainer zu sein. Im Folgenden ein kleines Brainstorming zum Thema „Teambuilding“: 

  • Einzelarbeiten: Finde ein Logo für dich/ für die Gruppe (zB eine Rinde, eine Pflanze, einen Stein…). Bringe ihn mit, die Gruppe muss dann erklären, warum du dies gewählt hast (spannende Diskussionen…). 
  • Partnerarbeit: Aktives Zuhören/ Reflexionsgruppe
  • Gruppenarbeit: STOMP im Wald: studiert mit allen auffindbaren Gegenständen einen Rhythmus ein und führt ihn vor -> Spaß ist garantiert, wenn mit Blättern geraschelt wird, Steine geklopft werden und mit Ästen „We will rock you“ eingeübt wird!
  • Gesamtgruppe: Wahrnehmungsübungen/ in blinden Gruppen zurück zum Seminarraum (nur der erste darf sehen, aber nicht sprechen, alle anderen haben die Hände auf den Schultern des Vordermanns und sind blind, dürfen aber sprechen. Welche Gruppe zuerst zurück ist, hat gewonnen!)

Einfach, aber wirkungsvoll: Ab dem zweiten Seminartag starte ich meist mit einer CoCo, einer „Coffee Conference“. Versammle die Gruppe außerhalb des Raums an einem nahen, netten Ort, idealerweise der Kaffeemaschine. Im Stehen spricht man ungezwungen über das Befinden, Wünsche, Anmerkungen… Achtung: keine inhaltlichen Diskussionen; jede Person nur 30-60 Sekunden Redezeit, je nach Gruppengröße!

3.) Achte auf die Symbolik des Raums

Die Wahl des Raums ist ein Zeichen! Achte darauf, wie du dies nutzen kannst. Müssen es immer Seminarhotels sein? Nach dem - in der Öffentlichkeit kritisch beäugten - Abriss eines denkmalgeschützten Raumes „durfte“ ich die hitzige Diskussion zwischen Bürgervertretern, Politikern und Interessierten im Grazer Gemeinderatssaal leiten! Ein Zeichen der Wertschätzung, ein Problem auf höchster Ebene! Einmal wurde ich als externer Berater zur Aussprache eines zerstrittenen Teams in das Unternehmen gerufen. Der vorgesehene Raum war genau der Besprechungsraum, wo bisher alle Streitereien stattgefunden hatten. Da muss man kein Feng-Shui-Berater sein, um zu spüren, dass das fatal ist. Spontan erklärte ich, hier nicht arbeiten zu können, und alle in ein nahegelegenes Café einzuladen. Die Gruppe staunte, sagte natürlich zu, man ging ein paar 100 Meter, nahm Platz, bestellte…. Informelle Gespräche über Fußball waren entstanden. Als alle ihre Getränke hatten und man auf den Konflikt zu sprechen kam, war die Stimmung deutlich verändert! Für diesen Effekt hätte man im Besprechungsraum lange gebraucht!

4.) Verändere den Raum!

Ein äußerst wichtiger und wirksamer Tipp zum Schluss: lade die Teilnehmer ein, so oft wie möglich ihren Sitzplatz zu verändern! Sonst kommt es zum „Versteinerungs-Effekt“: immer die gleichen Gruppenbildungen, immer die gleichen haben die besten Plätze (zB bei Lichteinfall). Wenn du Namenkärtchen verwendest, einfach in Pausen oder am Morgen des nächsten Seminartages umstellen… andere Sichtweisen, andere Konstellationen. Wenn du willst, dass sich etwas ändert, muss sich etwas ändern. So einfach ist das!

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