Marketing und Craft Bier

Juli 2016

Glaube keinen Glaubenssätzen

„Wer für das Layout einer Flasche Bier Geld ausgibt, versteht nichts von Marketing“. Wein wird laut  aktuellen Umfragen hauptsächlich von Frauen gekauft, Bier von Männern - bzw. natürlich auch von Frauen (aber dann haben die genau das richtige für den Mann zuhause mitzubringen)!  Wein verkauft sich somit über Emotionen: Name, Logo, Farbe, Form… Bier über Bier. Bier als Ursprung des männlichen Content Managements sozusagen!? Punkt. Keine Diskussion. Schwarz/weiß.

Das habe ich gelernt - zugegebenermaßen in den 90ern, und x-fach als witziges, amüsantes Anschauungsbeispiel wiedergegeben. Damals machte ich Workshops, Schulungen etc. Dann kamen die Projekte, internationale Markteinführungen, Marktauftritte, Produktentwicklungen und und und. Ich war zwar weit weg von der Lehre, aber die - schwarz/weiß - Geschichte mit dem Bier und dem Wein blieb in meinem Kopf. Schwarz/weiß.

Bis letzte Woche. Ich war auf Urlaub in Bad Radkersburg, und plötzlich bin ich auf eine lokale Brauerei gestoßen. 12 Mitarbeiter, Chef Anfang 30, Auszeichnungen für bestes Bier Österreichs, bestes ausländisches Bier in Slowenien und und und. Verkaufen weltweit. Seltsam. Sicher: das Bier schmeckt. Aber das machen viele...

Wie machen die das also? Und dann sah ich sie, die Bierdeckel, die Dosenlayouts, das Wording… Phantasienamen wie „Kramah“, „Hagger“, „Rudeen" oder „Tak“, Phantasiefiguren als Symbole wie aus einem Computerspiel. Ein Schriftzug, der jedem CD-Cover einer Metall-Band für 17jährige zur Ehre gereichen würde. Dosen statt Flaschen, natürlich nur 0,3l. Trendig im 6er Pack mit Plastikverband, um sie in einem kalten Bach easy&cool kühlen zu können. Während man über die englischen Sprüche auf den Rückseiten der Bierdeckel philosophiert: „The hop bomb“.

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Was soll ich bitte daraus lernen?

Glaube keiner Umfragen, die du nicht selbst gefälscht hast (das hätte ich spätestens nach der Stichwahl zur Präsidentschaftswahl 2016 auch wissen sollen) - aber wichtiger: brich alle Regeln! Stell alles (!!!) in Frage! Aus Beobachtungen entstehen Regeln, Gesetzmäßigkeiten. Sobald diese formuliert sind, sind sie schon wieder passe.

Es ist wie bei einem Vulkan: es brodelt, schwillt an unter der Oberfläche, nur um dann urplötzlich hervorzuschießen, himmelwärts, ein magnetischer Hype, ein wet-story-Geysir (50 grades of shay), ein flüssiger Roll-out, ein heißes Relaunch, es fließt, bricht hervor mit Urgewalt - und erstarrt wieder, rasch, formt Schildvulkane und Calderen, ein paar Bomben, seltsame achteckige Formen in der Meeresbrandung, aber das war´s dann auch schon wieder. Erstarrtes Magma… wie fad!!!! 

Unser Hirn liebt Regelmäßigkeiten, Gewohnheiten, Verlässlichkeiten - und das Seltsame daran: wir verwechseln das mit der Realität!

Übung für Irr-Glaubenssätze:

  • Bier wird von Männern getrunken. (-> wo ist das erste Bier für Frauen?)
  • Bier macht dick (-> wo ist das erste Schwemmbier, das beim Abnehmen hilft?)
  • Bier ist was für Proleten (-> ich sehe den Staatsempfang 2030 der EU(2.0), wo illustre PräsidentInnen sich um den Anstich 2.0 balgen vor der WeltpressInnen)

Und so weiter.

Merke:

Glaube keinen Glaubenssätzen. Glaube mir!

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