trumpesk

Januar 2018

Geburt eines Gedanken

Dies ist der Versuch, ein neues Wort in die deutsche Sprache zu bringen. Nennen wir es ganz aktuell eine „challenge“. Über Goethe, „MindSet“, „Quiz“, „Frust“ und trumpeskes Verhalten…

Als einer der größten Sprachbereicherer gilt Goethe. Wunderbare Worte wie „Knabenmorgen-Blütenträume“ („Prometheus“) stammen von ihm - für heute leider etwas schwerfällig; sowas nennt man jetzt eher „MindSet“… :-)

Gehalten hingegen hat sich das schöne Wort „Quiz“. Es entstand - so die Legende - durch eine Wette. 1799 wettete der Manager des Dublin Theaters, ein Mr. Daly, dass er innerhalb von 24 Stunden ein neues, bedeutungsvolles Wort in den allgemeinen Sprachschatz einführen könne. Er ließ über Nacht an jede Hauswand von Dublin das Wort „Quiz“ mit Kreide aufmalen. Am nächsten Tag war die Verwunderung und damit die Nachfrage so groß, dass die ganze Stadt über dieses Wort diskutierte. Mr. Daly gewann seine Wette und wir haben ein neues Wort und damit ein neues Konzept erhalten; eine schöne Geschichte. Die ursprüngliche Bedeutung war „a practical joke“, später eine „trickreiche Frage“ bzw. „ein Puzzle“ und letztlich „eine Serie von trickreichen Fragen“.

Auch die Geburtsstunde von „Frust“ ist festmachbar. In den 60er Jahren recherchierte ein Journalist zum Thema der gesellschaftlichen Befindlichkeit. Er stieß auf den psychologischen Fachbegriff „Frustration“ (entlehnt aus dem Englischen) in der Bedeutung „Enttäuschung bzw. das Gefühl der Vergeblichkeit“. Da ihm das Wort zu kompliziert schien, kürzte er. Sein Artikel „Der Frust geht um!“ brachte eine Welle an Leserbriefen und Dankschreiben. Die Menschheit hatte ein Wort für ein Gefühl.

Die derzeitige amerikanische Regierung hat uns bereits zwei Wörter geschenkt: „Fake news“ und „Alternative Fakten“. Warum nicht jetzt auch ein neues Adjektiv? Hiermit erfinde ich „trumpesk“ (analog zu „kafkaesk“). Trumpesk bedeutet „narzisstischer Konstruktivismus“ und vereint zwei große Strömungen unserer Zeit: vom Narzissmus übernimmt „trumpesk“ die leicht überdehnte egoistische Selbstliebe, vom „Konstruktivismus“ den unerschütterlichen Glauben an die subjektivistische Wahrnehmung, dass Wahrheit im Auge des Betrachters liegt.

Als Verwendung bietet sich an: „Scheidungsgrund: Trumpeske Unüberwindlichkeiten“ - versteht doch jeder, oder?

Alternativ könnte ich noch anbieten die Redewendung „Er hat einen Trump (mit „u“ eingedeutscht) im Ärmel“!“ Das wäre ein Gegensatz zum „Trumpf“ im Ärmel, der eine positive Konnotation hat. Ein „Trump“ im Ärmel ist ein fieser Trick. Oder ein „Trumpeur“? Die Wortmischung von „Trump“ und „Friseur“ bezeichnet Friseure, die mit Fön und Haarspray ans Werk gehen … das Verb dazu wäre: „Guten Tag. Können Sie mich bitte trumpieren?“ Das verlangt nach einem Fön…

ps.: Auch wenn mein Wort „trumpesk“ es nicht in den Sprachgebrauch schafft: Im Duden - und nur dort - existiert schließlich auch seit Jahren das Wort „sitt“ als Antonym (Gegenbegriff) zu „durstig“ (als missing link zu „satt“ - „hungrig“). Wussten Sie es?

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