Vor-Gesetzter oder Führungs-Kraft?

Juni 2016

Die geheimnisvolle Welt des Fußballs

Die ganze Welt ist Fußball - und in wenigen Tagen dreht sich alles nur noch um die Frage, wie das Runde in das Eckige kommt. Grund genug, sich mit der Frage zu beschäftigen, was man eigentlich vom Fußball lernen kann. In diesem Beitrag geht es um die Rolle des Trainers: Vor-Gesetzter oder Führungs-Kraft?

Österreich verpatzt die vorletzte Generalprobe gegen Fußballzwerg Malta. Ein guter Anfang, zwei Tore, dann Flaute. Gegen Ende ein Eigentor. 2:1 ohne Höhepunkte, ohne Glanzleistungen. Was soll man dazu sagen? Journalisten stellen Fragen nach Fehlbesetzungen, wollen die Ursache der schlechten Leistung wissen, Leserbriefe werden geschrieben, an den Stammtischen wird debattiert Pessimisten sehen sich bestätigt, Hellseher revidieren ihre Prognosen…

Der österreichische Teamchef Marcel Koller, der diese Mannschaft zu einer der besten der Welt aufgebaut hat - wie reagiert er? Intensivierung des Trainings? Personelle Änderungen im Kader? Spielern ins Gewissen reden?

Der Schweizer sieht - einfach gesagt - keinen Grund zur Sorge nach dem Spiel. „Ich habe Vertrauen in das Team. Sie haben schon oft bewiesen, dass sie es können. Ich weiß, wie man die Spieler anpacken muss“, so der österreichische Teamchef. Betont ruhig und gelassen wirkt er, lässt die Fragen der Journalisten gebetsmühlenartig abprallen. „Ich habe den Spielern gesagt, wir müssen nicht zweifeln.“ Und später: „Keiner braucht Zweifel haben. Jeder hat schon gezeigt, dass er Fußballspielen kann.“ 

Eine klare Botschaft: „Wir brauchen keine Angst zu haben!“ Erinnert mich an einen Outdoor-Event in Graz, als das Team die schwarzen Regenwolken fassungslos anstarrte, immer wieder die nassen Sessel trockenwischte. Einer der Schauspieler, Peter Uray, ließ sich nicht anstecken. Ruhig und gelassen wies er auf hellgrauere Flecken am Himmel hin und lächelte zuversichtlich; er sollte recht behalten - der Event konnte stattfinden, seine ruhige Kraft war eine starke Kraftquelle für alle. 

Die Lehre: Der Trainer hat - wie jede Führungskraft - die Aufgabe, sein Team abzuschirmen nach außen. Legendäre Auftritte á la Trapattoni ("Spieler so leer wie Flasche voll") sind nur dann sinnvoll, wenn sie strategisch eingesetzt werden, damit die Medien sich nicht auf das Team, sondern auf den Chef einschießen.  So soll schon so mancher Teamchef bewusst mit fliegenden Wasserbechern während eines Spieles ein Scheingefecht inszeniert haben... nur, um seine Mannschaft zu unterstützen!

 

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